Immer häufiger höre wir Wörter wir Trauma oder Trigger. Ist das Ausdruck davon, dass wir alle – zumindest ein bisschen – traumatisiert sind?
Was ist ein Trauma – und was nicht?
Ein Trauma im klinischen Sinne ist die Folge eines extrem bedrohlichen oder schrecklichen Ereignisses, bei dem die körperliche oder psychische Unversehrtheit einer Person ernsthaft gefährdet ist.
Doch neben diesen „großen Traumata“ gibt es auch belastende Lebenserfahrungen, die subtiler und weniger dramatisch erscheinen, aber dennoch tiefe Spuren hinterlassen können. Dazu zählen zum Beispiel Gleichgültigkeit von wichtigen Bezugspersonen, schwierige Trennungen, soziale Ausgrenzung, eine sehr strenge Erziehung oder das Gefühl, nie „genug“ zu sein. Auch wenn solche Ereignisse nicht die Kriterien für ein Trauma erfüllen, können sie unser Verhalten und unsere Emotionen nachhaltig prägen.
Warum sprechen so viele Menschen von Trauma?
Das Wort „Trauma“ vermittelt eine Dringlichkeit und eine Ernsthaftigkeit. Wenn ich jemandem erzähle, dass mich etwas sehr “getriggert” hat oder ich mich von etwas traumatisiert fühle, dann drücke ich so aus, dass ich wirklich unter dem Erlebten leide. Das Wort Trauma schafft klare Rollen – Opfer und Täter – und gibt einer Person eine Stimme für ihr Leiden. Wir befinden uns gesellschaftlich gerade in der Situation, dass wir in den vergangenen Jahren gelernt haben, offener über psychische Belastungen zu sprechen. Das ist gut und wichtig. Jetzt können wir verhandeln, wie wir darüber reden. Wenn wir über viele verschiedene belastende Ereignisse das Wort “Trauma” stülpen, relativieren wir die Belastungen der Menschen, die klinisch definierte Traumata erlebt haben. Und wir nehmen uns gleichzeitig die Möglichkeit differenziert zu beschreiben, was es eigentlich ist, das wir da erlebt haben und unter dem wir leiden.
Die kleinen Verletzungen des Lebens
Belastende Erfahrungen, die uns prägen, sind vergleichbar mit einem Baum, der im Laufe seines Lebens Stürme, Trockenheit oder Kälte erlebt. Oder der ab und zu mal von einem Tier angeknabbert wird. Jede dieser kleinen Verletzungen, scheint für sich noch nicht so viel auszumachen. Aber irgendwann merkt der Baum dann doch: Puh, mir gehts nicht so gut. Ich sollte mich um diesen einen angeknacksten Ast oder diese angeknabberte Wurzel einmal kümmern. Auf den Menschen übertragen, bedeutet dies: Belastende Lebensereignisse können psychische „Kerben“ hinterlassen, die sich erst im Laufe der Zeit bemerkbar machen, etwa durch Verhaltensmuster wie Perfektionismus, Prokrastination oder Schwierigkeiten, gesunde Beziehungen zu führen.
Fazit: Sind wir alle ein bisschen traumatisiert?
Nein, nicht jeder Mensch ist traumatisiert – zumindest nicht im klinischen Sinne. Dennoch trägt jeder von uns die Spuren belastender Erfahrungen. Es ist wichtig, zwischen einem Trauma und belastenden Lebensereignissen zu differenzieren. Gleichzeitig sollten wir den Begriff „Trauma“ nicht inflationär verwenden, da dies das Leid von Menschen mit echten Traumata relativieren kann.
Stattdessen können wir präziser beschreiben, was wir fühlen: „Das hat mich traurig gemacht“, „Ich fühlte mich ohnmächtig“ oder „Das hat mich zutiefst erschüttert.“ Diese emotionale Etikettierung schafft Klarheit. Indem wir da Gefühl präzise benennen aktivieren wir gleichzeitig den präfrontalen Kortex, der dann regulierend auf das limbische System – dem Sitz unseres Emotionszentrums – einwirkt. Durch das klare benennen dessen, was wir da eigentlich gerade fühlen, regulieren wir also das eigene Gefühl.
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