Ist Neurohacking Die Lösung? Wie Wir Gehirnfreundlicher Arbeiten Können

Vielleicht kennst du das: Im Arbeitsalltag gibt es immer wieder Situationen, in denen du dich kaum konzentrieren kannst – ständige Unterbrechungen, lärmende Meetings oder ein Berg von Aufgaben, der scheinbar nie kleiner wird. Während dich diese Dinge vielleicht ins Schwitzen bringen, gibt es Kolleg*innen, die genau in solchen Situationen aufblühen. Woran liegt das?

Die Wahrheit ist: Unsere Gehirne sind unterschiedlich, und das beeinflusst, wie wir am besten arbeiten. In diesem Artikel schauen wir uns an, warum manche unter starker Belastung aufblühen, während andere ein ruhiges Umfeld brauchen, um ihr Bestes zu geben. Am Ende wartet eine Übung auf dich, mit der du dein optimales Arbeitsumfeld herausfinden kannst.

Der umgekehrte U-Effekt: Warum Stress nicht immer schlecht ist

Das Yerkes-Dodson-Gesetz beschreibt, dass es einen umgekehrt U-förmigen Zusammenhang zwischen Erregung und Leistung gibt. Ein gewisses Maß an Erregung – sei es Motivation oder Anspannung – hilft uns, produktiv zu sein. Zu wenig davon, und wir langweilen uns. Zu viel, und wir geraten in Stress und blockieren.

Ein Beispiel: Du bereitest eine wichtige Präsentation vor. Tage vor dem Termin bist du vielleicht noch entspannt, doch mit näher rückendem Datum steigt die Anspannung. Bis zu einem gewissen Punkt verbessert diese Nervosität deine Leistung, aber irgendwann wird der Stress zu groß, und die Qualität leidet.

Doch warum fühlen sich manche Menschen in solchen Situationen überfordert, während andere zur Höchstform auflaufen? Das liegt daran, dass jeder sein persönliches Leistungsoptimum bei unterschiedlichem Erregungsniveau erreicht.

Das individuelle Erregungsniveau: Was unsere Neurosignatur verrät

Unsere „Neurosignatur“ ist wie ein Fingerabdruck unseres Gehirns – einzigartig und beeinflusst durch unsere Temperamente, Hormone und Neurotransmitter. Studien zeigen, dass Unterschiede in der dopaminergen und serotonergen Aktivität mit unseren Persönlichkeitsmerkmalen zusammenhängen. Beispielsweise:

Dopamin: Steht in Verbindung mit Neugier, Innovationsfreude und dem Drang nach Neuem. Menschen mit starker dopaminerger Aktivität suchen oft Herausforderungen und werden schnell gelangweilt.
Serotonin: Hängt mit Stabilität, Routinen und Zuverlässigkeit zusammen. Personen mit höherer serotonerger Aktivität bevorzugen Struktur und Vertrautheit.


Professorin Helen Fisher hat diese Unterschiede weiter spezifiziert und Neurosignaturen mit Hormonen in Verbindung gebracht:
Testosteron-Neurosignatur: Logisch, analytisch, tough.
Östrogen-Neurosignatur: Empathisch, beziehungsorientiert, ganzheitlich denkend.
Dopamin-Neurosignatur: Innovativ, risikobereit, schnell gelangweilt.
Serotonin-Neurosignatur: Loyal, strukturiert, routineliebend.

Neurodiversität verstehen und nutzen

Stell dir vor, du arbeitest an einer wichtigen Aufgabe, während ein Kollege dich ständig mit neuen Ideen und spontanen Vorschlägen konfrontiert. Während dich das aus dem Konzept bringen könnte, benötigt dein Kollege vielleicht genau diese Dynamik, um produktiv zu sein. Diese Unterschiede müssen wir nicht nur akzeptieren, sondern nutzen, um besser miteinander zu arbeiten. Hier hilft es, das eigene Erregungsniveau zu verstehen:

Übung:

Schreibe alle Aufgaben deines Arbeitsalltags auf.
Notiere, ob du dich dabei unterfordert, optimal aktiviert oder überfordert fühlst.
Analysiere Muster: Welche Bedingungen führen dazu, dass du dein Bestes gibst?

Mit diesen Erkenntnissen kannst du Strategien entwickeln:
Erregung erhöhen: Setze dir Zeitlimits, trinke Koffein, visualisiere Erfolge.
Erregung reduzieren: Nutze Noise-Cancelling-Kopfhörer, atme tief durch, schalte in Zoom-Meetings die Teilnehmeransicht aus.

Fazit: Gemeinsam besser arbeiten

Wenn wir erkennen, dass unsere Gehirne unterschiedlich ticken, können wir nicht nur unsere eigene Arbeitsweise verbessern, sondern auch besser auf andere eingehen. Neurodiversität am Arbeitsplatz ist keine Herausforderung, sondern eine Chance – für mehr Zufriedenheit, Zusammenarbeit und Erfolg.
Teste deine Neurosignatur und finde heraus, wie du gehirnfreundlicher arbeiten kannst. Dein Gehirn wird es dir danken!

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