Konflikte gehören zum Leben dazu, und trotzdem ist ein Streit für die meisten von uns unangenehm oder belastend. Dabei liegt in Auseinandersetzungen eine große Chance für mehr innere Klarheit oder zwischenmenschliche Nähe, wenn wir lernen, sie bewusst zu führen. Gut geführte Konflikte können Beziehungen stärken, Missverständnisse klären und tiefere Verbindungen schaffen.
In diesem Artikel spreche ich darüber, warum wir streiten, wie wir streiten und welcher Punkt darüber entscheidet, ob ein Streit einen positiven oder negativen Ausgang nimmt.
Intimität erzeugt unvermeidlich Konflikte
Gehören Streitereien zu Beziehungen dazu? Ich sage ja. Denn Intimität erzeugt unvermeidlich Konflikte. Wir setzen manchmal wenige Konflikte mit Beziehungsglück gleich. Nicht ob gestritten wird entscheidet darüber, ob eine Beziehung hält, sondern wie gestritten wird. Und wie wir streiten, wie wir über Konflikte denken, wie wir mit ihnen umgehen, das stammt aus unserer Kindheit, unserer Erziehung, auch aus unserer Kultur und aus früheren Beziehungserfahrungen.
Aber worüber streiten wir eigentlich? Kurz gesagt: um alles und um nichts. Konflikte können sich daran entzünden, dass beim Einkaufen im Supermarkt etwas vergessen wurde, dass das Kind ohne Handschuhe in die Schule geschickt wurde, dass der eine die Party früher verlassen wollte und der andere sich noch gut amüsierte. Aber gerade wenn diese Streits oft trivial aussehen, sind sie das meistens nicht. Denn es gibt heiße Quellen unter der Oberfläche, die den Streit aufheizen. Und da geht es oft um Werte – zB wie stelle ich mir ein Familienleben vor?, unbeachtete Bedürfnisse – zB dem Bedürfnis nach Verbindung – und verborgene Träume – was wünsche ich mir von der Zukunft, was will ich vom Leben?
Und genau das ist so schwer in Konflikten: zu verstehen um welches innere Bedürfnis oder tiefere Ansicht es unserem Gegenüber eigentlich geht. Denn wir sitzen ja nicht in aller Seelenruhe gemeinsam am Tisch und fragen unser gegenüber, was ihn gerade eigentlich bewegt. Sondern sich anpampen, anzicken oder Dinge an den Kopf werfen findet ja inmitten eines geschäftigen Alltags statt.
Welcher Konflikttyp bist Du?
Wahrscheinlich bemerkst Du in Deinem Leben, dass nicht alle Menschen um Dich herum auf eine ähnliche Art und Weise streiten. Manche gehen Konflikten eher aus dem Weg während andere ihrer Stimmung laut Luft machen. Gibt es also unterschiedliche Streitstile? Dir Forschung sagt ja und unterscheidet zwischen impulsiven, konfliktvermeidenden und validierenden Konfliktstilen. Der impulsive Typ ist direkt und emotional in Konflikten. Diskussionen werden laut und konfrontativ geführt und die Hitze kann aber genauso schnell wie sie aufgekommen ist auch wieder abflachen. Der konfliktvermeidende Typ versucht Konflikte zu minimieren oder ganz zu umgehen. Konfliktvermeidende Menschen betonen ihre Gemeinsamkeiten und entschärfen Konflikte, indem sie sie entweder ignorieren oder ganz schnell einen Kompromiss finden. Im Gegensatz zu den Konfilktvermeidern ist es bei den Validieren schon so, dass sie diskutieren. Und sie akzeptieren die andere Meinung des Gegenübers auch und versuchen dann intensiv eine Lösung zu erarbeiten.
Und diese drei Konflikttypen unterscheiden sich ein bisschen darin, wie ein Streit abläuft. Denn jeder Streit hat drei Stadien. 1. Wir erstellen eine Agenda. also einer oder beide bringen ihr Anliegen vor. 2. Wir versuchen jeweils den anderen zu überzeugen. Wir wollen ihn auf unsere Seite bringen. Und 3. wir versuchen einen Kompromiss zu erreichen. Je nach Konfliktstil unterscheidet sich der Punkt des Überzeugens. Konfliktvermeidende Streiter möchten das Stadium des überzeugens am liebsten auslassen. Der Streit endet oft, nachdem die Agenda aufgestellt worden ist. Impulsive Streiter möchten dagegen gleich mit dem Überzeugen loslegen, ohne sich den Standpunkt des gegenübers anzuhören. Sie stellen keine Agenda sondern legen gleich los. Die Validierer tun beides, sie stellen erst eine Agenda auf und beginnen dann mit der inhaltlichen Überzeugungsarbeit. Doch falls Du jetzt glaubst nur Menschen mit einem validierenden Konfliktstil können gute Streitgespräche führen, kann ich Dir folgendes sagen.
Nicht der Streitstil ist entscheidend, sondern die Streit-Mathematik
Es ist nicht so relevant welchen Konfliktstil wir haben, so lange wir genug positive Interaktionen in unsere Streitgespräche bringen. Menschen mit jedem Konfliktstil können gut zurecht kommen und gute Streits führen, solange sie die richtige Konfliktmathematik haben. Wir wollen in einem Streit 5 positive Interaktionen zu 1 negativen Interaktion haben. Für jede negative Interaktion die du bringst – also zB eine abfällige Bemerkung, ein laut werden, ein Augenverdrehen, musst du 5 positive Interaktionen bringen – also zB ein lächeln, ein “Ich verstehe Deinen Punkt”. Wenn wir besser streiten möchten, dann müssen wir schauen, dass wir mehr positive Interaktionen in unsere Streits bringen.
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