In den meisten meiner Therapiesitzungen kommt dieses Gefühl irgendwann zum Vorschein: das Gefühl, nicht genug zu sein. Egal wie erfolgreich wir sind, wie sehr wir funktionieren, für andere da sind und Jobs, Kinder, Beziehungen und Freundschaften wuppen: Viele von uns begleitet ein unterschwelliges Gefühl von Unsicherheit. Ein flüchtiger Zweifel, der immer mal wieder auftaucht: Reicht das wirklich?
Wir leben in einer Kultur, die uns von klein auf mit widersprüchlichen Botschaften überhäuft. Sei stark, aber nicht zu dominant. Sei erfolgreich, aber bescheiden. Sei alles – aber bitte nicht zu viel davon. Das Resultat? Ein ständiger Spagat zwischen Selbstvertrauen und Selbstkritik.
Viele von uns erleben genau diese Dualität: Stolz auf das, was wir erreicht haben – und gleichzeitig Angst, nicht genug getan zu haben. Um diese Angst nicht zu lange oder zu stark spüren zu müssen, tun wir noch mehr, strengen uns noch mehr an, beeilen uns oder setzen uns das nächste Ziel, welches wir erreichen möchten. Nichts hilft kurzfristig so schnell gegen die Angst, wie ein kleines Stückchen perfekter zu werden.
Das Gefühl nicht genug zu sein, ist bei den meisten von uns biographisch begründet. Wenn uns Aufmerksamkeit, Liebe und Sicherheit durch unsere Bezugspersonen fehlt – oder an Bedingungen geknüpft ist –, entstehen ein Bedürfnis nach äußerer Anerkennung und Zugehörigkeit. Und die Unsicherheit darüber, ob die Person, die wir sind, wenn wir nicht leisten, erreichen, unkompliziert sind und hustlen denn wirklich genügt. Später im Leben kann sich dieses unerfüllte Bedürfnis vielleicht auf die Karriere, Beziehungen oder unser Aussehen übertragen.
Perfektionismus wird zu etwas, was sich für unser Gehirn sicher anfühlt, da es uns vermeintlich Nähe, Zugehörigkeit und Anerkennung zusichert. Im Kern als die Liebe und Bindungssicherheit, die wir früher vielleicht gebraucht hätten. Das führt auch dazu, dass es uns kaum gelingt, uns auf erreichten Erfolgen auszuruhen. Stillstand, nichts tun oder auch Erholung fühlen sich für unser Gehirn unsicher, vielleicht sogar gefährlich an. Das Resultat ist eine innere Unruhe und die innere Stimme die uns sagt: Noch ist es nicht genug.
Was hilft? Uns in kleinen Schritten zu erlauben, auch die unsicheren, weniger perfekten Seiten zu zeigen. Und danach zu schauen, was passiert. In den allermeisten Fällen tritt das, was wir befürchten, nämlich nicht ein. Und unser Gehirn macht eine kleine korrigierende Erfahrung. So entlarven wir den Perfektionismus als das, was er oft ist: ein Schutzmechanismus gegen die Angst, nicht geliebt zu werden. Und schaffen Raum für das, was wir alle brauchen – echte Verbundenheit.
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